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Gemälde - Gedichte - Drucke - Skulpturen - Erzählungen - Zeichnungen Home - Erzählungen - Das Mehl des Bäckers (1) Kurzgeschichte |
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Das Mehl des Bäckers Er zwängte durch tief hängende Zweige, durchquerte einen schrankenden Lichtstrahl, dann schloss sich der Wald hinter ihm. Es war der Tag nach Neujahr. Verharschter Schnee ächzte bei jedem Schritt. An Zweigen und Gräsern klammerte Raureif. Mit dem aufkommendem Wind fielen glitzernde Eisstückchen auf den Boden und wurden mit dem Schnee eins, von langsamen Schritten gepresst. Morgendliche Röte rann die Bäume hinab und im Gegenlicht der aufgehenden Sonne drohte ein Hochsitz fahl und grau der Umgebung. Das Knirschen des Schnees verriet seine Annäherung. Auf dem Hochsitz angekommen, richtete er es sich ein, soweit die einfache Ausstattung des Hochstandes dies erlaubte, lehnte das Gewehr in Reichweite an die vergraute Holzwand, das Fernglas schob er vor sich, die Flasche nahm er hoch, trank einen Schluck und schob die Flasche in die Tasche zurück. Wärme verbreitete sich in seinem Magen und machte ihn schläfrig. Nach einstündigem Warten sah er ein Reh, das in Richtung auf den Hochsitz zusicherte. Er hielt den Atem an, sein Herz schlug schneller. Das Reh trat bald aus dem Waldrand heraus und begann zu äsen. Erst als er mit der Hand über das Gesicht strich, wich der Schleier der Taubheit. Langsam zog es etwas höher, immer weiter in die Lichtung hinein. Er wurde unruhig, ein leichter Schauer lief ihm über den Rücken und hinterließ bis zum Steißbein ein angenehmes, aber störendes Kitzeln im Rückrat. Vorsichtig nahm er die Waffe hoch und brachte sie in Anschlag. Das Holz des Schaftes kühlte seine Wange, die schmerzende Kälte, die eigene Haut sich wie fremd anfühlen ließ, war plötzlich gewichen. Mit dem Fadenkreuz folgte er den Körperformen und er war fast erstaunt über die gleichmäßigen Linien, die seinen Blick immer wieder von der Schulter bis zu den Hufen zogen, den sanften Rundungen folgend, den schmalen Hals entlang bis zum Blatt. Der Kopf wandte sich ihm zu, das Tier schien den Fremden zu ahnen. Sein Atem ging stoßweise, er fühlte die körperliche Nähe des Rehs und der Lauf folgte immer wieder dem Weg vom Hals hinunter zum Blatt. Der Kitzel im Körper wurde unerträglich, er begann zu zittern, der Atem stockte, ein Zucken wollte durch >> weiter >> © Levrai, 2007. Das Mehl des Bäckers, Kurzgeschichten von Levrai.
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