Reime,
Gedichte
und Sprüche zu Windmühlen
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Der Müller im Himmel
Dieser schickte sogleich St. Christophorus, ihn hinauszuweisen. Der pfiffige Müller erkannte ihn alsbald an seiner großen Keule und diesen ungeschlachten Gliedmaßen und sagte: „Meinst du, ich fürchte mich vor deinem großen Kolben, du alter Heide? Du haft damit großen Mord verübt, es klebt viel unschuldiges Blut daran." So schickte der Herr noch andere Heilige zu ihm; aber allen rückte er ihre Gebrechen vor, dass sie die Augen niederschlugen und verstummten. Nun waren sie in großer Verlegenheit, wie sie ihn hinausschaffen sollten. Endlich berieten sie sich, die unschuldigen Kinder gegen ihn zu schicken, die Herodes ermordet hatte, denn denen würde er nichts anhaben können. Aber der pfiffige Müller erdenkt gleich wieder einen neuen Rank und teilt ihnen Pfefferkuchen aus und Äpfel mit roten Backen und hübsche Bilderchen mit bunten Farben und Goldverzierung; dann schüttelt er ihnen Birnen und Pflaumen von den Bäumen, und lässt sie die Fische in dem Teichen füttern. Auch machte er ihnen Windmühlen und Waldteufel und allerlei anderes Spielzeug; zuletzt pfeift er ihnen ein Liedchen und lehrt sie im Kreise hüpfen und tanzen und sie begreifen es besser als seine Säcke. Da war an kein Austreiben zu denken. Endlich machte sich die Mutter Gottes selber auf und kam zu ihm und sprach: „Mann, du musst hinaus! hier ist deines Bleibens nicht länger." „Schöne Frau“, sagte der Müller, „wer seid ihr doch? Alle die Tage meines Lebens habe ich so Holdseliges nicht gesehen. Die Sonne am Himmel muss sich vor euch verbergen." Da sprach unsere liebe Frau: „Ich bin die Mutter Gottes." „O heilige Jungfrau“, rief der Müller, „von euch geschieht mir nichts zu Leide, ihr seid aller Gnaden voll, die Mutter der Barmherzigkeit: alle Welt hofft aus eure Fürsprache und euer Sohn kann euch nichts versagen. Ihr seid die Königin des Himmels: in euern Schutz befehl ich mich." Da wandte sich die Mutter Gottes wieder um und kam zu ihrem Sohne und sprach: „Ich kann dem Mann nichts zu Leide tun, er hat mich so beschieden, dass ich's nicht übers Herz bringen kann, ihn hinauszuweisen." Da sprach Gottes Sohn: „So werd ich selber zu ihm gehen müssten, wenn wir ihn los werden wollen." Da kam er im Geleit der himmlischen Heerscharen gegangen und sprach zu dem Müller: „Mann, deine Heimat ist hier nicht: Deine Ränke und Pfiffe und deine scharfe Zunge helfen dir nicht länger." Da sprach der Müller: „Ihr seid klar und schön und kommt mit großem Gefolge gegangen; wer seid ihr denn?" „Ich bin“, sprach Gott der Herr, „der Himmel und Erde geschaffen und die Menschheit erlöst hat." „Ihr seid Gott selber“, sprach der Müller, „das hör ich wohl. Dann werde ich aber nicht vertrieben, denn ihr selbst habt gesprochen, wie ich oft predigen hörte, wer zu euch komme in eures Vaters Haus, den wolltet ihr wohl empfangen."
„Ja“, sprach der Herr, „wenn er auch meines Vaters Willen getan hat. Hätte mein Vater dich zu mir gesandt, so solltest du ewig mit mir leben. Du hast aber nie etwas Gutes getan, darum kann deiner Seele nicht Rat werden." „Wie ist mir denn?“, sagte der Müller, „hab ich nicht euch zu Liebe einmal einen alten Sack gegeben? Wo bleibt der nun?" Da sprach Gott der Herr: „Geht hin und holt ihm den alten Sack, er mag ihn nur wieder nehmen. Hier bleiben darf er nicht." Sogleich ward ihm der alte Sack gebracht. Der Müller bedachte sich nicht lange, breitete den Sack auf der Erde aus und setzte sich darauf. „Geh jetzt hinaus“, sprach der Herr, „du hast deinen Teil“, „Ich sitze hier auf meinem Eigentum“, sagte der Müller, „ich will doch sehen, wer mich davon vertreiben will." — Da musste unser Herrgott selber über seine seine Schalkheit lachen und ließ ihn sitzen, und da sitzt er noch hinter der Tür, wenn er nicht seitdem einen bessern Posten erwischt hat.
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Fotos und Bilder von Windmühlen in Ostfriesland: Levrai.
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